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Früherer NVA-General vor Gericht

Von Marianne Baum
BM Frankfurt (O.) - "Kommando zurück", befiehlt sich Waldemar S. in zackigem Ton selbst, wenn er seine Angaben korrigieren muß. 37 Jahre Militärkarriere in der Nationalen Volksarmee der DDR lassen sich nicht verleugnen.

Seit gestern steht der 63jährige Generalleutnant a. D. vor der 5. Strafkammer des Frankfurter Landgerichtes. Beihilfe zum Totschlag bzw. zum versuchten Totschlag in sieben Fällen legt ihm die Staatsanwaltschaft Neuruppin, im Land Brandenburg Schwerpunktbehörde zur Aufarbeitung von DDR-Unrecht, zur Last.

Als Chef der Abteilung Pionierwesen des Nationalen Verteidigungsministeriums der DDR mit Sitz in Strausberg (Märkisch-Oderland) war S. laut Anklage von August 1978 bis September 1984 verantwortlich für die Organsiation des pioniertechnischen Aufbaus mit Minensperren an der deutsch-deutschen Grenze.

Der DDR-Verteidigungsminister erließ jedes Jahr einen sogenannten Jahresbefehl, der die Fortsetzung der technischen Aufrüstung unter anderem mit den als "Selbstschußanlagen" bekannten SM-70-Anlagen an der Grenze zu West- deutschland bestimmte. Die Zuarbeit für die detaillierte Verminung oblag dem Chef des Pionierwesens. Der Jahresbefehl wurde anschließend von den entsprechenden Grenzregimentern der NVA umgesetzt. ...

Der Angeklagte wollte sich nicht zu den Vorwürfen äußern, schilderte hingegen seinen militärischen Entwicklungsweg, der ihn zweimal für mehrere Jahre an miltärische Akademien Moskaus führte. Abschlüsse mit Auszeichnung sowie eine Goldmedaille für sein Studium an der Militärakademie der Pioniertruppen in der Sowjetunion betonte der kernig wirkende Ex-General dabei besonders. "Ich bin ein echtes Kind der DDR und hatte aufgrund meiner Karriere nie Zweifel an der Politik des Staates", bekannte S. Während der elf Verhandlungstage sollen unter anderem die überlebenden Opfer als Zeugen gehört werden.

© Berliner Morgenpost, 14.05.1998