Stiftung "Wald für Sachsen" beräumt in Zeithain
rund 1 600 Hektar Fläche von Munitionsresten


Platz für 1 600 Fußballfelder wäre auf dem Teil des früheren Zeithainer Truppenübungsplatzes, der seit gut vier Jahren von der Stiftung "Wald für Sachsen" unterhalten wird. Doch Fußball wäre hier gefährlich. Denn die Suche nach Restmunition auf dem Areal ist neben dem inzwischen beendeten Abbruch der etwa 20 Gebäude das Hauptfeld der Stiftung. "Hier waren die kaiserliche Armee stationiert, die Wehrmacht, die kasernierte Volkspolizei und zuletzt die Sowjetarmee", sagt Ingo Werners, Geschäftsführer der Stiftung. Das heißt insbesondere, dass man es mit allen möglichen Arten von Munition - also gefährlicher und weniger gefährlicher, großer und kleiner - zu tun hat. Zum Glück aber konnte man bisher alles Gefundene klar einordnen. Auch dank des Kampfmittelräumdienstes, der jederzeit mit vor Ort ist und, sobald die Spezialfirmen mit den entsprechenden Zertifikaten etwas Undefinierbares zu Tage befördern, die nötigen Dinge einleitet.

Zum Glück keine großen Waffen- und Tanklager

Mit dem letzten Gebäudeabbruch dieser Tage können die Betreiber jetzt sagen, dass an der Erdoberfläche keine Gefahr mehr ausgeht. Selbst in entlegendsten Winkeln wurden Patronen oder auch Minen gefunden. "Die Russen hatten offensichtlich ein etwas anderes Verhältnis dazu", sagt Ingo Werners vieldeutig. Und betont gleichzeitig, dass nach wie vor Sicherheitsbedingungen wie auf einer militärischen Liegenschaft herrschen. Denn niemand weiß, was sich noch im Boden befindet. "Wir sind da sehr vorsichtig", sagt Liegenschaftsverwalter Roland Schiller. Er fährt regelmäßig mit dem Jeep die holprigen Wege entlang, um nach dem Rechten zu schauen. Schließlich sind auch in diesem Teil des Zeithainer Übungsplatzes schon Granaten aus mehreren Metern Tiefe geborgen worden.
Größere Waffen- und Munitionslager aber gebe es hier ebenso wenig wie durch Treibstoff etc. über Gebühr verseuchte Böden. Das Filetstück des Ex-Übungsplatzes also? Ingo Werners räumt ein, dass es wohl auf dem Stiftungs-Areal dieses oder jenes Problem weniger gibt als anderswo. Doch die Dunkelziffer noch nicht geborgener Munition sei eben riesengroß und nicht unter den Tisch zu kehren. Dass "nebenbei" auch jede Menge Schrott und anderer Müll dabei ist, sei nur am Rande erwähnt.
Begeistert sind Ingo Werners und Roland Schiller vor allem über Flora und Fauna auf dem Gelände. Die enorme Artenvielfalt sei für Umweltschützer das Allerspannendste hier. Und das Gute sei gewesen, dass Menschen hier kaum eingegriffen haben, weil der Platz an den meisten Stellen nicht betreten werden durfte. Schon jetzt wird daher Seitens der Stiftung auch darauf geachtet, möglichst rein ökologisch einzuwirken. So sind in den warmen Monaten Schafherden hier anzutreffen. Insbesondere auf dem "Flugplatz". Der war vorher in mühevoller "Handarbeit" nach Munitionsresten abgesucht worden.
Ein Flugplatz? In der Tat befindet sich im äußersten Norden nahe Nieska ein etwa 600 Meter breiter und drei Kilometer langer grasbewachsener, aber baumloser Streifen. Hier sollen sowjetische Militärflieger regelmäßig gestartet und gelandet sein. Und höchstwahrscheinlich war sogar Erich Honecker mal hier, als bei einem Manöver durch russische Antonows eine Luftverteidigungs-Übung zelebriert wurde. "Das könnte 1977 oder 1978 gewesen sein", vermutet Roland Schiller.

70 bis 80 Jahre kann es noch dauern

Der Zeithainer Übungsplatz ist Naturschutzgebiet. Ihn als solches weiterzuentwickeln, will die Stiftung "Wald für Sachsen" auch in den nächsten Jahren viele kleine Schritte unternehmen und auch Geld investieren. Dass alle Wege auch für die Öffentlichkeit freigegeben werden können, wird aber nach Ansicht von Ingo Werners noch dauern. 70 bis 80 Jahre könnten da schon ins Land gehen. Weil eben keiner weiß, wie viel Gefahrenpotenzial hier noch lauert. Die Warnung des Betreibers, das Gelände nicht ohne besondere Erlaubnis zu betreten, sollte daher ernst genommen werden. "Mehr als warnen können wir nicht", so Werners.

[Sächsische Zeitung (SZ-online) vom 14.03.2001]