"Zeithain bleibt - ich muss gehen!"
Oberstleutnant Bernhard Fichtner übergibt Kommando des Nachschubbataillons 131 an Oberstleutnant Jürgen Steinkühler

Mit militärischem Zeremoniell wurde gestern der vierte Kommandeurswechsel in der Zeithainer Bundeswehrkaserne vollzogen.
"Ich war sehr gern Kommandeur in Zeithain, doch nun muss ich leider gehen. Pflicht und Befehl rufen." Oberstleutnant Bernhard Fichtner sagt`s mit Wehmut in der Stimme. Im Beisein zahlreicher Offiziere aus verschiedenen Einheiten, führender Repräsentanten aus Wirtschaft und Politik sowie Familienangehöriger übernahm Oberstleutnant Jürgen Steinkühler gestern vor dem zum Appell angetretenen Nachschubbataillon 131 das Kommando vom Standortältesten Bernhard Fichtner.
Ihm gebührte der gestrige Tag in der Zeithainer Bundeswehrkaserne. Über drei Jahre stand der 45-Jährige an der Spitze der Logistikeinheit, die ihre Standorte in Sachsen und Thüringen hat. Nun geht er für einen Monat zum Heeresunter-stützungskommando nach Koblenz, um dann im neu aufzubauenden Logistikamt in St. Augustin als Dezernatsleiter konzeptionelle Arbeiten für die Zentrallogistik durchzuführen. Ehefrau Sigrid und Töchterchen Christina werden ihm bald folgen.
Während einer kurzen Ansprache ließ Fichtner seine Zeit in Zeithain Revue passieren. Dabei hob er die engen Kontakte zu den Verantwortlichen im Landkreis hervor und wünschte seinem Nachfolger eine glückliche Hand bei der Führung des Bataillons. Die feierliche Kommandoübergabe wurde von Oberst Gerald Fack, Chef des Logistikregimentes 13, vollzogen. Der Oberst würdigte die Arbeit der Zeithainer und erinnerte an die Entscheidung des Verteidigungsministers, der vor sechs Wochen jene Standorte und Truppenteile bekannt gab, die geschlossen oder aufgelöst werden sollen. Auch das Logistikregiment 13 sei mit Teilen betroffen, die Ende 2003 vor dem Aus stehen. "Aber die Besten überleben, und der Standort Zeithain zählt dazu", hob er hervor.
Gerald Fack nahm auch zu weiteren aktuellen Themen um die Bundeswehr Stellung und sparte nicht mit ironischen Seitenhieben. Beispielsweise zur Diskussion, ob die Bundeswehr ausreichend Haushaltmittel zum Erhalt der Einsatzfähigkeit zur Verfügung hat. "Ich darf und will keine der unterschiedlichen Meinungen unterstützen. Obwohl es mir wie einem Schuljungen geht, der die Ansicht hat, dass ein Mehr an Taschengeld seine Lebensqualität verbessern würde", so der Regimentskommandeur. Doch die Politiker müssten entscheiden, wie viel Geld sie ihren Streitkräften zur Verfügung stellen können.
Der Oberst bezweifle allerdings, ob eine Armee als modern bezeichnet werden kann, deren Kraftfahrer und Geschützführer jünger sind als die Fahrzeuge und Waffensysteme. Aber man blicke trotz mancher erschwerender Gegebenheiten nach vorn. Mit der Kommandoübergabe hat die Ära des 43-jährigen Oberstleutnants Jürgen Steinkühler in Zeithain begonnen. Noch im Laufe des Sommers will der neue Kommandeur mit seiner Partnerin Constanze Methner nach Zeithain ziehen.

Von Kathrin Schade
[Sächsische Zeitung (SZ-online) vom 16.03.2001]